BERNHARD FRUE. PHESBUK
Eröffnung 27.1.2012, 19h
Kurator Sandro Droschl
Zur Einzelausstellung PHESBUK ändert Bernhard Fruewirth seinen Namen. Themen wie der Verlust von Privatsphäre, die Auflösung von Existenz und die Wahrnehmung und Selbstreflexion in veränderten und sich ändernden Umfeldern werden angesprochen. Im Kontext der formalen Orientierung am klassischen Genre des Portraits wird zudem eine aktuelle Interpretation der Selbstdarstellung mit Fragenstellungen nach Identität und Kontext vorangetrieben, ohne formale Kriterien der malerischen und zeichnerischen Arbeit des Künstlers außer Acht zu lassen.
Bernhard Frue beschreibt seine Beweggründe, eine aktuelle Auseinandersetzung insbesondere mit dem Thema Portrait zu suchen: „Den Kern der Ausstellung PHESBUK bildet ein Künstlerbuch, in dem ausschließlich Gesichter, die aus Zeitungen und Magazinen herausgearbeitet worden sind, eingeklebt wurden. Die Arbeit an diesem Buch habe ich während meines ersten Spitalsaufenthaltes begonnen, wo Zeitungen als ein (Informations)Fenster und Kontakt zur Außenwelt fungiert haben. Ein erster visueller und emotionaler Reiz waren Personen, die permanent in den Medien behandelt werden, über die ich mich, auch aufgrund meiner schwachen Konstitution körperlich gut spürbar aufgeregt habe. Sehr schnell habe ich das Interesse an Prominenten verloren und die Auswahl auf die Fotos von Gesichtern „unbekannter Menschen” konzentriert. Aus der Flut von Information bleiben nur die Gesichter – nach subjektiven Kriterien ausgewählt, getrennt von ihrem Kontext – als eine Art Restinformation übrig, um sich dann in dem Buch wieder zu einer Überreizung an visueller Information zu sammeln.“
Das Künstlerbuch steht für ein Modell der Bewältigung und des Filters des allgegenwärtigen „Fetisch Gesicht“. In einer seriellen Arbeit kommt es innerhalb einer durch Medien beeinflussten Chronologie zu Variationen des immer selben: der Darstellung, Sichtbarmachung und Auseinandersetzung mit einer Flut von anonymen, nach Subjektivierung und Aufmerksamkeit rufenden Gesichtern. Mittels Kugelschreiber „zeichnet“ Frue die Gesichter so lange „aus“, bis sie sich aus den Zeitungen herauslösen.
In der Ausstellung PHESBUK zeigt Frue neben einer installativen Präsentation des Künstlerbuchs mehrere Videoarbeiten, die sich den Themenkreisen Reflexion und Selbstreflexion, Loslösung und Auflösung, Rhythmus und Codierung widmen.
Frue erweitert seinen ursächlichen zeichnerischen Ansatz hin zum Medium Video. Im Kunstverein Medienturm nutzt und hinterfragt Frue die formalen Ähnlichkeiten beider Medien, indem er den Entwurfscharakter der Zeichnung mit der einfachen und schnellen Handhabe von Video zusammenführt, um eine komplett neue und reich ausformulierte Werkserie aus Video-Arbeiten, einem Künstlerbuch und einem Katalogprojekt zu realisieren.
Maren Lübke-Tüdow beschreibt Bernhard Frue’s inhaltlichen wie medialen Ansatz: „Betritt man beispielsweise den Arbeitsraum des Künstlers, ist man versucht, dem ältesten künstlerischen Ausdrucksmedium – der Zeichnung – beinahe performative Qualitäten zuzusprechen: Man bewegt sich in einem Laboratorium. Insbesondere die Zusammenschau von verschiedenen Entwurfsstadien, das Sichtbarwerden der vielen Referenzpunkte – in vor allem eigenen, aber auch fremden Fotografien, Zeitungsausschnitten, Texten etc. –, das Überlappen und Ineinandergreifen von verschiedenen Themenkomplexen, das bewusste und vielleicht unbewusste Verbinden von Material unterschiedlichster Herkunft, zeigt, dass es Bernhard Frue um die Darstellung des Zusammenfallens von Raum und Emotion geht, die grundlegendste Erfahrung überhaupt, die komplexeste zugleich. Es geht um die Herstellung von größtmöglicher Dichte in einem Medium, das in Gestus und Ausdruck die größtmögliche Leichtigkeit und Luftigkeit für sich in Anspruch nimmt, die einem Medium überhaupt zugesprochen werden kann.“
Statements zum Künstlerbuch:
„GREAT, BUT WHO WANTS TO HAVE IT.“ Marian
„KLASSE!“ Friederike
„ES IST VIEL AGRESSION HIER!“ Fernando
http://www.medienturm.at/mt.php?id=2&sid=363&k=full&_pid=966
Katalog und Künstlerbuch erscheinen Weitere Eröffnungen am 27.01.2011 im Rahmen von CMRK bei Camera Austria, rotor und im Grazer Kunstverein Shuttle Wien – Graz – Wien, Anmeldung: key@medienturm.at
