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5.08.2026, Change #0 Wolfgang Bauer, Bernd Fischerauer: Change (1974/75)

Wolfgang Bauer, Bernd Fischerauer, Change, 1974/75
nach einem gleichnamigen Theaterstück von Wolfgang Bauer
96 Min.
LISA Film

10.9.2026

Film Screening

18 Uhr

Mit Changes beginnt die HALLE FÜR KUNST Steiermark eine neue Reihe, die das Ausstellungsprogramm um temporäre situative Formate erweitert. Anders als klassische Ausstellungen reagieren die einzelnen Projekte auf spezifische Situationen, Orte oder Fragestellungen und entwickeln jeweils eine eigene Form der Präsentation. Changes versteht die Ausstellung dabei nicht als feststehendes Format, sondern als etwas, das sich mit jeder künstlerischen Position und ihren jeweiligen Bedingungen neu bestimmt. Die Reihe schafft Raum für Projekte im Ausstellungsraum ebenso wie im öffentlichen Raum, im unmittelbaren Umfeld der Kunsthalle oder in digitalen Kontexten und eröffnet damit alternative Formen der Begegnung mit zeitgenössischer Kunst. Im Mittelpunkt stehen Künstler:innen mit Bezug zur Steiermark. Veränderung bedeutet dabei immer auch Verschiebung: Während neue Positionen in den Fokus rücken, geraten andere aus dem Blick oder verschwinden aus dem institutionellen Gedächtnis. Changes versteht diesen Prozess nicht als Defizit, sondern als Ausgangspunkt kuratorischer Arbeit und schafft Raum für Wiederentdeckungen, unerwartete Verbindungen und künstlerische Positionen, die sich den etablierten Erzählungen der Gegenwart entziehen.

Den Auftakt der Reihe bildet Changes #0 mit einem Screening von Wolfgang Bauers Change (1969), dessen Titel der Reihe zugleich ihren Namen gibt, dessen Drehbuch Bauer gemeinsam mit Bernd Fischerauer verfasste, der ebenfalls die Regie führte. Wolfgang Bauer (1941 – 2005) zählt zu den prägenden Stimmen der österreichischen Nachkriegsliteratur und gilt als eine der zentralen Figuren der Grazer Avantgarde. Mit seinen Theaterstücken, Prosatexten und Filmen prägte er das kulturelle Selbstverständnis einer Generation von Künstler und Autor, deren experimentelle Praxis weit über Graz hinaus ausstrahlte. Seine Arbeiten verbinden sprachliche Radikalität, schwarzen Humor und groteske Überzeichnung mit einer präzisen Beobachtung gesellschaftlicher und kultureller Mechanismen. Im Mittelpunkt des Stücks steht der Künstler Fery, der den Kunstbetrieb mit seinen eigenen Mitteln bloßstellen will. Gemeinsam mit dem Provinzmaler Blasius Okopenko inszeniert er dessen kometenhaften Aufstieg zum gefeierten Künstler, um anschließend die Mechanismen von Ruhm, Anerkennung und Authentizität offenzulegen. Doch das Experiment verselbständigt sich zunehmend und kehrt sich schließlich gegen seinen Urheber. Bauers Werk ist auch mit der jüngeren Geschichte dieses Ausstellungsortes verbunden. Im Rahmen ihrer Ausstellung 2013 entwickelte Kerstin Cmelka hier eine künstlerische Auseinandersetzung mit Change, die in einer Theateraufführung ihren Ausdruck fand. Das Screening knüpft lose an diese frühere Bezugnahme an.

Zwischen Theater, Film und Happening entwickelt Bauer eine episodische Dramaturgie, in der absurde Situationen, improvisiert wirkende Dialoge und groteske Überzeichnungen aufeinandertreffen. Mit Humor und satirischer Schärfe hinterfragt Change den Kunstbetrieb ebenso wie das Selbstverständnis seiner Akteur:innen und formuliert Fragen nach Autorschaft, Originalität und den Bedingungen künstlerischer Anerkennung. Das Stück zählt zu den prägenden Werken der Grazer Avantgarde und markiert einen wichtigen Bezugspunkt jener künstlerischen Haltung, aus der sich der Begriff der GRAZ-KUNST etablieren konnte.

Das Screening versteht sich nicht als nostalgischer Rückblick, sondern als programmatischer Auftakt der Reihe. Mit Wolfgang Bauers Change nimmt Changes seinen Ausgangspunkt bei einem Werk, das Veränderung nicht als Selbstzweck, sondern als künstlerische Haltung begreift. Die Nummer #0 bezeichnet deshalb bewusst keinen eigentlichen Beginn, sondern einen Referenzpunkt, von dem aus sich die Reihe entwickelt. Dass Changes mit Bauers Film einsetzt, versteht sich zugleich als Hommage an eine künstlerische Tradition in Graz, die sich durch Experimentierfreude, Eigenständigkeit und institutionelle Offenheit auszeichnet. Die Reihe knüpft an dieses Erbe nicht in Form einer Rückschau an, sondern als Ausgangspunkt für die Frage, wie Kunst und ihre Präsentationsformen heute auf veränderte Bedingungen reagieren können.

Wolfgang Bauer (*1941, Graz, † 2005, Graz)

war ein österreichischer Schriftsteller.

Sammelbände (Auswahl): Der Rüssel. Szenische Texte aus dem Nachlass. Hrsg. von Thomas Antonic, Ritter Literatur, Klagenfurt/​Wien/​Graz (2015), Ein schlimmes Kind bin ich. Dramen, Prosa, Lyrik aus vier Jahrzehnten. Hrsg. von Gerhard Melzer und Andreas Unterweger, Sonderzahl Verlag, Wien 2007, Band 1: Einakter und frühe Dramen. Droschl, Graz/​Wien (1987), Band 2: Schauspiele 1967 – 1973. Droschl, Graz/​Wien (1986), Band 3: Schauspiele 1975 – 1986. Droschl, Graz/​Wien (1986), Band 4Der Fieberkopf: Ein Roman in Briefen. Droschl, Graz/​Wien (1986), Band 5: Gedichte. Droschl, Graz/​Wien (1992), Band 6: Kurzprosa, Essays und Kritiken. Droschl, Graz/​Wien (1989), Band 7: Filme und Fernsehspiele. Droschl, Graz/​Wien (1995), Band 8: Schauspiele 1988 – 1995. Droschl, Graz/​Wien (1996), Band 9Foyer und andere Stücke. Droschl, Graz/​Wien (2004).

Theaterstücke (Auswahl): Die Kantine. Capriccio à la Habsburg., Schauspielhaus, Graz (1993), Ein schrecklicher Traum, Literaturhaus Berlin (1986), Foyer, Theater, Helmut List-Halle Graz (1980), Memory Hotel, Schauspielhaus Graz, (1980), Silvester oder Das Massaker im Hotel Sacher, Volkstheater Wien (1977), Film und Frau, Deutsches Schauspielhaus Hamburg (1971), Magic Afternoon, Landestheater Hannover (1968), Change, Volkstheater Wien (1969).

Drehbücher (Auswahl): Der Weihnachtstraum, Drehbuch (1994), 22schwarz…, Drehbuch (1987), In Zeiten wie diesen, Siebenteilige Fernsehserie (1983), Reise zum Gehirn, Verfilmung vom Roman Der FieberkopfORF (1975), Change, Drehbuch gemeinsam mit Bernd Firscherauer, (1975).