aica

1.07.2026, Tribute: Oswald Wiener und Kybernetik Bryony Jean Dawson

Reading Performance

20.8.2026 18:00 Uhr

Tribute ist eine Lesereihe, in der die Teilnehmer:innen eingeladen sind, einen Text beliebiger Art auszuwählen und vorzutragen, sofern dieser von einer anderen Person verfasst wurde und dem gewählten Thema entspricht.

Die von der Künstlerin und Autorin Bryony Dawson ins Leben gerufene Reihe Tribute versteht die Live-Lesung als Ort der Begegnung zwischen Stimmen sowie verschiedenen Sprachformen und ‑registern. Anstatt Originalität oder Urheberschaft in den Mittelpunkt zu stellen, rückt sie die Beziehung zwischen einem Leser und den Worten eines anderen in den Fokus und erkennt dabei an, dass unser Denken, Sprechen und Schreiben stets von unzähligen äußeren Stimmen geprägt ist. Die Reihe lädt die Teilnehmer:innen dazu ein, damit zu experimentieren, wie sie diesen Einflüssen ​Ehre erweisen“, sei es aus Bewunderung, Identifikation, Nostalgie, Kritik oder intellektueller Reibung.

Diese von Bryony Dawson und Caro Feistritzer konzipierte Ausgabe von Tribute lädt Leser:innen dazu ein, Texte auszuwählen, die auf das Werk und Vermächtnis von Oswald Wiener reagieren, einem österreichischen Avantgarde-Schriftsteller, Künstler, Philosophen und späteren Informatiker. Wieners Werk verband Literatur, künstliche Intelligenz und Bewusstseinstheorien, wandte sich jedoch später der Kybernetik, Mathematik und Informatik zu, nachdem er zu dem Schluss gekommen war, dass Kunst allein das Denken nicht erklären könne. Beeinflusst von Ludwig Wittgenstein und Alan Turing entwickelte Wiener eine interdisziplinäre Theorie des Denkens, in deren Mittelpunkt die Selbstbeobachtung sowie die Vorstellung standen, dass das Denken der Sprache vorausgeht. Er nahm moderne Debatten über virtuelle Realität und KI durch Konzepte wie den ​Bio-Adapter“ – eine maschinengenerierte künstliche Realität – vorweg und argumentierte, dass KI-Systeme zwar menschliches Verhalten durch statistische Mustererkennung imitieren können, es ihnen jedoch an echtem Verständnis, Bewusstsein und subjektiver Erfahrung mangelt. Seine Arbeit kritisiert letztlich rein behavioristische Modelle der Intelligenz und betont, dass menschliches Denken verkörpert und selbstreflexiv ist und sich nicht vollständig auf Algorithmen oder Datenverarbeitung reduzieren lässt.

Bryony Dawson *1996, lebt in Wien

ist Autorin, Kuratorin und gelegentlich auch Künstlerin. Sie gibt zu, dass die verschiedenen Lesungen, Filmvorführungen und Veranstaltungen, die sie organisiert, im Grunde genommen ein Vorwand sind, um Menschen, die sie liebt und bewundert, zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl an einem Ort zu versammeln. Ihre kreativen und kritischen Texte wurden im PW Magazine, im Plus Magazine, in der Frieze, im émergent magazine, im Motor Dance Journal, bei Corridor8 und bei Montez Press Radio veröffentlicht.

June Drevet *1991 in St. Etienne, lebt in Berlin und Graz

ist Redakteurin, Kritikerin, Autorin und Kuratorin mit Fokus auf die Rolle zeitgenössischer Fotografie und Videokunst in einer technologisierten und von humanitären Krisen geprägten Gegenwart. Seit 2024 arbeitet sie für Camera Austria International als Redakteurin. Ihr Forschungsinteresse an der Schnittstelle von Mediengeschichte und Kritischer Theorie gilt (post-)digitalen Bildkulturen sowie dem Publizieren als künstlerische Praxis. Ihre Texte erschienen in verschiedenen Print- und Online-Magazinen sowie in Künstler*innenkatalogen. Im Herbst 2026 erscheint ihr erstes Buch bei DISTANZ Berlin.

Beatrice Forchini *1989, Rovereto, Italien, lebt in Graz und Wien

ist Juniorkuratorin beim steirischen herbst. Sie hat in institutionellen Kontexten wie der TBA21 Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Wien, dem Belvedere, Wien, der Iuav Universität Venedig, der Biennale von Venedig und unabhängigen Kunsträumen an der Schnittstelle von kuratorischer und pädagogischer Praxis gearbeitet. Forchini interessiert sich für kuratorische und künstlerische Ansätze, die sich durch eine performative Komponente und Praktiken entwickeln, die sich mit den Bedingungen befassen, unter denen Wissen produziert, vermittelt und aktiviert wird. Bei TBA21 war sie Assistenzkuratorin für die Ausstellungen Territorial Agency: Oceans in Transformation (Ocean Space, Venedig, 2020 – 21), Walid Raad: Cotton Under My Feet (Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid, 2021), Abundant Futures und Remedios (C3A, Córdoba, 2022 – 23) und hat zu Katalogen und anderen Publikationen beigetragen.

Rose-Anne Gush *1986 in Box, Vereinigtes Königreich, lebt in Graz

ist Schriftstellerin, Kunsthistorikerin und Assistenzprofessorin am IZK – Institut für Zeitgenössische Kunst der TU Graz. Ihre Forschungsinteressen umfassen politische Ästhetik und Theorien der ​globalen Kunst“, einschließlich des transnationalen Surrealismus, der räumlichen Politik des Kapitalismus, der künstlerischen Form und der Geographien der Extraktion sowie Theorien zu Marxismus, Gender, Trauma und Erinnerung. Ihre jüngsten Artikel wurden in Berlin Review, FKW // Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur, Camera Austria, Brand-New-Life Magazine, Third Text, Kunst und Politik: Jahrbuch der Guernica-Gesellschaft, und in Performance Research veröffentlicht. Ihre erste Monografie Artistic Labour of the Body erscheint demnächst in der Buchreihe Historical Materialism bei Brill und Haymarket.

Zlata Zhidkova, lebt in Graz

ist Klangkünstlerin, Musikerin, Performerin und Komponistin. Sie arbeitet mit Mehrkanalsystemen, komplexen Klangtexturen und Feedback-Instrumenten und experimentiert mit greifbaren Klangmaterialien, wobei sie das ​Unausgesprochene/​Unaussprechliche“ erforscht, das zwischen den Medien und Wahrnehmungsebenen existiert. Mit einem Hintergrund in klassischer Flöte und Philologie schließt sie derzeit ihren Master of Arts in Computermusik und Klangkunst am Institut für Elektronische Musik und Akustik (IEM) der KunstUni Graz ab.