1969 kehrte sie vorerst nach Konstanz zurück, wo sie den filmclub visuell in Kooperation mit der Universität Konstanz gründete und die Galerie und Edition galeriepress eröffnete. In jener Zeit, Anfang der 1970er-Jahre begann auch ihre langjährige Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen Tabea Blumenschein, mit der sie ihren ersten Film Laokoon & Söhne (1971−1973) realisierte und im Arsenal Berlin uraufführte, sowie Magdalena Montezuma. Im Jahr 1973 zog sie schließlich nach Berlin, wo sie erste internationale Erfolge verzeichnete. Neben ihren Dokumentar- und Spielfilmprojekten, in denen sie sich intensiv mit ethnologischen und anthropologischen Fragestellungen auseinandersetzt, realisiert sie ebenso Arbeiten für die Bühne, sowohl für das Theater, als auch die Oper, und entwickelt Künstler:innenbücher.
In diesem Jahr hat ihr Film Die Blutgräfin, an dessen Dialogen Elfriede Jelinek mitgewirkt hat, und einer hochkarätigen Besetzung, unter anderem mit Isabelle Huppert, Birgit Minichmayr und Lars Eidinger, auf der Berlinale Première gefeiert.
Ab Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre entstand Ottingers sogenannte Berlin-Trilogie, die anlässlich der heurigen Galerientage in Graz, die auch unter aktuelle kunst in graz firmieren, an drei aufeinanderfolgenden Abenden gezeigt wird. Die Trilogie umfasst die Filme Bildnis einer Trinkerin (1979), Freak Orlando (1981) sowie Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse (1984) mit den Darsteller:innen Tabea Blumenstein, Delphine Seyrig, Magdalena Montezuma, Veruschka von Lehndorff, Eddie Constantine, Nina Hagen, Orpha Termin und Kurt Raab sowie dem Komponisten Peer Raben.
Bei Bildnis einer Trinkerin mit Tabea Blumenstein werden die Zuschauer:innen mitgenommen auf eine Reise ins Westberlin der 1970er-Jahre in eine stilisierte Ästhetik. Das experimentelle Meisterwerk des deutschen Kinos visualisiert die Topographie der Stadt mit einer namenlosen und schönen Protagonistin auf teils distanzierte Art und Weise. Es handelt sich um eine am Flughafen Tegel ankommende Reisende, die ihrer Leidenschaft ungestört nachgehen möchte, um zu vergessen: dem Trinken.
Mit Freak Orlando erzählt Ottinger in fünf Episoden am Beispiel der Freaks und Ausgegrenzten eine Irrtum, Inkompetenz, Machtgier, Wahnsinn, Angst, Alltag und Grausamkeit inkorporierende Weltchronik. Zentrale Figur ist Orlando, die vielfach verwandelt in unterschiedlichen Identitäten und Zeiten erscheint: als Attraktion in einem Kaufhaus, als wundersame Gestalt des Mittelalters, als durch religiösen Fanatismus und Inquisition Verfolgte, als Artistin in einer Side Show und schließlich als Entertainerin auf Jahrmärkten und Festen. Auf diesem in fünf Bildern gezeichneten Weg durchläuft Orlando Mittelalter, Aufklärung und Gegenwart wie ein grell beleuchtetes Theater und erlebt Ausbeutung, Verfolgung, Liebe, Verrat, Gewalt und Tod, begegnet religiösem Eifer, kolonialer Deportation und gesellschaftlicher Sensationslust. Ottinger zeichnet hier mit Magdalena Montezuma in der Hauptrolle eine ironische Erkenntnis über eine Welt, in der das Abweichende bestaunt, verfolgt und geopfert wird und Geschichte sich als eine endlose Abfolge von Grausamkeit und Spektakel entpuppt.
Schließlich entlarvt Ottinger in Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse mit Veruschka von Lehndorff und Delphine Seyrig in den Hauptrollen den potentiellen Totalitarismus der Medien. Die mächtige Verlegerin Frau Dr. Mabuse, die über einen Medienkonzern herrscht, der die Meinung des Landes dominiert, schafft aus weiterer Machtgier eine von ihr gänzlich abhängige Person: Dorian Gray. Androgyn, schön, jung und reich, ist er ein schillernder Dandy, kunstvoll kreiert, um die Sehnsüchte der Massen zu nähren. Dr. Mabuse macht ihn zum Idol, um ihn alsdann in einem inszenierten Skandal zu stürzen. Jedoch erkennt das Geschöpf langsam seine Macht und wendet sich schließlich gegen seine Schöpferin sowie das Imperium, das ihn einst zum Leben erweckte.