aica

16.01.2026, Eva Ursprung: The Art of Surfacing 7.2.–19.4.2026

Eva Ursprung, Indigo Haven, 2023
Video, Ton, 5:11 Min.

Eröffnung: 6.2.2026, 18:00–21:00 Uhr

Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst 2024

Mit der Ausstellung The Art of Surfacing zeigt die HALLE FÜR KUNST Steiermark das vielschichtige Werk der österreichischen Künstlerin, Musikerin und Kuratorin Eva Ursprung, die mit dem Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst 2024 ausgezeichnet wurde. Der durch eine externe Expert:innen-Jury vorgeschlagene Preis wird als Anerkennung eines künstlerischen Lebenswerks verliehen und mit einer Ausstellung in der HALLE FÜR KUNST Steiermark begleitet.

Eva Ursprung verbindet in ihrem Schaffen medienübergreifende Ansätze mit feministischen, gesellschaftskritischen und kollaborativen Strategien. Seit rund vier Jahrzehnten arbeitet sie in den Bereichen Musik, Video, Performance, Installation und sozial engagierter Kunst. International bekannt wurde sie auch als eine der Pionierinnen des Cyberfeminismus in Österreich. Ihr Werk stellt Fragen nach ökologischer Verantwortung, Transformation und gesellschaftlicher Solidarität in den Mittelpunkt. Hervorzuheben sind dabei stets auch ihre Fähigkeiten, nicht nur in Netzwerken zu arbeiten, sondern auch, diese hervorzubringen.

Zentrales Thema der Schau ist das Element Wasser – ein Stoff, der Ursprung seit Jahrzehnten in verschiedensten künstlerischen und politischen Kontexten beschäftigt. Dieses Element bildet die Grundlage allen Lebens, steht für Wandel und Transformation, birgt aber zugleich zerstörerische Kräfte. Wasser fließt, verbindet, trennt und formt – und wird in Ursprungs Werk zur Metapher für ökologische, gesellschaftliche und geopolitische Prozesse. Wie der Titel der Ausstellung The Art of Surfacing bereits andeutet, wird Wasser hier als Metapher für die Oberfläche verstanden – eine Fläche, die, ähnlich einem Gewässer den Blick auf den Grund, also auf das Flussbett, den Meeres- oder Seeboden, häufig verwehrt. Über diese Oberfläche lässt sich somit nicht erkennen, was sich darunter verbirgt. Dieses oberflächliche Wissen lässt sich mit dem vermeintlich sichtbaren Bewusstsein vergleichen, unter dem – folgt man der Allegorie des Eisbergs – das Unsichtbare, das Unbewusste, in weit größerem Ausmaß weiterbesteht und das Bewusste in jeder Hinsicht übertrifft. Ähnlich verhält es sich mit den Krisen unserer Zeit, deren tatsächliches Ausmaß wohl nur in Teilen sichtbar wird und allenfalls erahnt werden kann.

Zugleich spielt Ursprung auf einen weiteren Aspekt an, nämlich verdrängte Wahrheiten, die ganz bewusst unterdrückt werden, an die Oberfläche zu bringen und so gesellschaftliche Missstände sichtbar zu machen. In ihrem Video Indigo Haven (2023) taucht die Künstlerin sinnbildlich aus dem Wasser auf und liefert eine Allegorie für ans Licht gebrachte Wahrheiten. Die filmische Arbeit 365 Tage im Erdbunker (2015) zeugt von Ursprungs intensiver Beschäftigung mit dem Widerstand während des Nationalsozialismus in der Steiermark. Projekte wie Survive (2024) und Mit der Post ans Meer (2015) thematisieren Kommunikation, Beschleunigung, Fließen und den Austausch zwischen Räumen und Regionen, während Garbage Patches (2013−2017) auf die Fragilität des Ökosystems und dessen Verletzlichkeit durch Invasoren wie Plastik aufmerksam macht.

Ursprung greift in mehreren Werken ökologische Fragestellungen auf – etwa in Rettungsring für bedrohte Arten (2011), wobei diese als künstlerische Markierungen für unter Druck stehende Ökosysteme stehen. Wasser wird hier zum Symbol für die Krise des Anthropozäns, für den Klimawandel und seine Folgen, wie steigende Meeresspiegel oder Naturkatastrophen. Die Künstlerin verweist dabei nicht nur auf ökologische, sondern auch auf politische Dimensionen und zieht Parallelen zwischen Klimawandelleugnung, autoritären Tendenzen und historischen Kontinuitäten. Ihre Videoarbeiten aus Indien, Indonesien, Serbien und Nigeria eröffnen einen globalen Blick auf das Element Wasser und seine Vielfalt. Hervorzuheben ist der am nigerianischen Fluss Ọ̀ṣun gedrehte Film Gewurl (2011), der Ursprungs Begegnung mit der zeitgleich in einer Ausstellung in der HALLE FÜR KUNST präsentierten österreichischen Künstlerin und Òrìṣà-Priesterin Susanne Wenger in ihrem ​„Heiligen Hain“ dokumentiert.

Eva Ursprung zeigt sich als kritische feministische Beobachterin, die drängenden Fragen nach Ökologie, Globalisierung und Faschismus in medialen Verfahren der Kunst ein eingängiges Narrativ gibt. Begleitend zur Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Künstlerin ein Rahmenprogramm, das die thematischen Schwerpunkte – Wasser, Wandel und Widerstand – vertiefend beleuchtet.

Kuratiert von Sandro Droschl und Caro Feistritzer